Mind n' Bullet Journal,  Persönliches Wachstum

„Es ist viel einfacher Kritik zu üben, als etwas anzuerkennen.“ • Benjamin Disraeli •

Andere zu kritisieren fällt uns leicht, denn Negatives lässt sich schnell bei so gut wie allem und allen entdecken. Noch leichter fällt es uns meistens bei uns selbst. Über unsere Schwächen wissen wir gut Bescheid. Angenommen du solltest eine Liste schreiben mit allen Dingen, die du nicht gut kannst oder die du gern besser könntest und dann eine Liste mit allen Dingen, die gut kannst. Welche wäre wohl länger?

Bei anderen fällt es uns häufig weniger schwer Positives und Lobenswertes zu entdecken. Manchmal bewundern wir sogar jemanden wie er eine Situation gemeistert oder eine Aufgabe umgesetzt hat – doch sagen wir es der Person auch? In der Regel fällt es uns schwer ein wertschätzendes und begründetes Lob auszusprechen. Doch genau darin sollten wir uns üben, das Positive anzuerkennen. Du zollst damit deinem Gegenüber nicht nur die Wertschätzung, die er verdient hat, sondern bestärkst es auch darin seinen Weg weiterzugehen.

Negative Selbstgespräche und Vergleiche vermeiden

Die gleichen warmen und anerkennenden Worte solltest du dir selbst schenken, für all das was du geschafft hast und was du angegangen bist. Sei achtsam dafür, wie wie du über dich selbst und andere denkst. Lasse negative Selbstgespräche und Vergleiche mit anderen, die deine Schwächen betonen, los. Sonst wird es für dich unmöglich werden, all das Positive zu erkennen, das in dir steckt.

Richte einen wohlwollenden Blick auf deine Stärken. Dabei geht es nicht darum dich größer zu machen als du bist, sondern darum einen ehrlichen Blick auf deine positiven Seiten und auch auf deine Schattenseiten zu werfen. Schenke dir selbst Anerkennung, welche deine positiven Seiten zum Leuchten bringt und deinen Schattenseiten Akzeptanz und Mitgefühl oder auch Mut zur Korrektur entgegenbringt.

Denn wenn du positiv über dich und andere denkst, deine Aufmerksamkeit auf positive Referenzerlebnisse deines Lebens legst, dann bewegst du dich zukünftig automatisch in positive Lebensumstände hinein.

Positive Referenzerlebnisse und -gedanken erschaffen

Doch wie kann es gelingen den Blick auf sich selbst und andere hin zu mehr Anerkennung und Wertschätzung zu wandeln? Der erste Schritt ist getan, denn du liest gerade zum einen diesen Blogbeitrag, was verrät, dass du neugierig darauf bist dich in Anerkennung zu üben. Zum anderen bist du durch das Lesen einen guten Schritt weiter, in Zukunft achtsamer für negative und abwertende Gedanken zu werden. Denn ihre bewusste Wahrnehmung ist die Grundvoraussetzung für ihre Veränderung.

Weiter kannst du dein Mind ’n Bullet Journal nutzen, um dir deine Stärken und anzuerkennenden Taten aufzuzeigen. Zudem werden sie durch das handschriftliche Arbeiten viel besser in deinem Gehirn verankert und können so zu einem positiven Fundament für dein zukünftiges Denken und Handeln werden. Lebe somit selbstbestimmt und lasse deinen inneren Kritiker zu deinem Mentor werden.

Entwickle eine tägliche Anerkennungs-Routine in deinem Mind ’n Bullet Journal

Nutze deine Dailys im Journal, um positive Referenzmomente festzuhalten und schreibe dir jeden Tag drei Dinge auf, die du dir anerkennen möchtest und warum du sie dir anerkennst:

  • Ist dir etwas gut oder besser gelungen als zuvor – privat oder im Job?
  • Hast du es geschafft dich in einem negativen Selbstgespräch zu unterbrechen?
  • Ist es dir gelungen jemandem ein ehrliches Lob auszusprechen?
  • Hast du heute deine Zeit effektiv genutzt, indem du dich bei der Arbeit nicht hast ablenken lassen?
  • Warst du mutig und hast deine eigenen Grenzen gewahrt, indem du z.B. zu einem Gefallen auch mal „Nein“ gesagt hast?
  • Bist du vielleicht in einer Sache auch erfolgreich gescheitert, indem du eine Herausforderung vielleicht nicht bewältigt hast, aber dennoch an ihr gewachsen bist?
  • Oder hast du vielleicht sogar etwas neues gelernt oder eine neue Erkenntnis gewonnen?

Nimm dir einmal eine ganze Seite Zeit

Nimm dir Zeit um eine ganze Seite in deinem Mind ’n Bullet Journal mit deinen positiven Charaktereigenschaften und auch Stolpersteinen zu füllen.

Um auch deine Stärken zu erkenn mache dir z.B. kurz Gedanken zu folgendem: Viele Menschen sind hilfsbereit, verfügen über Disziplin oder sind ausdauernd, wenn sie etwas bestimmtes erreichen wollen. Welches Ziel war dir zuletzt wichtig und welche deiner Eigenschaften haben dir dabei geholfen es zu erreichen?

In meinem ersten eigenen Journal habe ich vor zwei Jahren genau eine solche Seite erstellt und in einer Art Akrostichon meine Charakterstärken und -schwächen zusammengestellt:

In den senkrechten Säulen habe ich meine für mich wichtigsten positiven Eigenschaften notiert und alle anderen drumherum sortiert.

Meine Charakterschwächen habe ich liebevoll als Stolpersteine aufgenommen. Denn auch sie gehören zu meiner Persönlichkeit dazu und verdienen An-ERKENNUNG. Einmal bewusst notiert und akzeptiert – habe ich beobachtet, dass ich im Alltag zunehmend offener mit ihnen umgehen konnte. Da man sie weniger verleugnet, sonder zunehmend akzeptiert, dass sie da sind. Wenn ich nun bemerke, dass negative Eigenschaft zum Tragen kommt, kann ich nachsichtiger und bewusster mit ihre umgehen und so z.B. meinem Perfektionsstreben ein bisschen mehr Einhalt gebieten oder mich in Situationen, in denen ich geneigt bin meinem Gegenüber zu misstrauen, bewusst für Vertrauen zu entscheiden.

Weiter fällt mir sogar auf, dass ich an meinen Schwächen der Ungeduld und des Maulens sogar so weit gearbeitet habe, dass ich sie gar nicht mehr als Stolpersteine bezeichnen würde. Das Prinzip der bewussten Anerkennung scheint zu funktionieren.

Natürlich habe ich ein paar Stolpersteine unkenntlich gemacht – denn für so wichtig ich es auch halte über seine Charakterschwächen bescheid zu wissen und sich mit vertrauten Menschen auch darüber auszutauschen – so sollte man sie aus Selbstschutz vielleicht nicht alle mit der ganzen Welt teilen.

Ein Charakterstärkentest

Weiter kann dir auch der VIA-Charakterstärkentest von Martin Seligmann, dem Pionier auf dem Gebiet der positiven Psychologie, helfen. In der Theorie werden 24 positive Charaktereigenschaften mit sechs Tugenden verknüpft: Weisheit und Wissen, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mässigung und Transzendenz. Wenn du dir ca. 30 Minuten Zeit nimmst, kannst du durch die Beantwortung von verschiedenen Fragen eine Rückmeldung zu deinen Charakterstärken in den unterschiedlichen Bereichen erhalten.

Möchtest du mehr zur Auswertung und Interpretation der Ergebnisse nachlesen? Dann schau hier. Den VIA-Test hatte ich damals noch nicht gemacht – vielleicht ist es nach zwei Jahren Zeit noch eine neue Version für meine Stärken und Stolpersteine zu erstellen.

Gerade im Lehrerberuf und anderen Berufen mit Führungs- und Leitungsaufgaben halte ich es für einen enormen Gewinn sich mehr mit dem Bereich der positiven Charakterstärken zu befassen. Denn um Entwicklungen zu initiieren, ist es hilfreich seinen Schülerinnen und Schülern oder anderen Anvertrauten ihre Charakterstärken zu spiegeln und so für ein positives Klima der Wertschätzung zu sorgen.

Die Lobseite

Eine Methode, die sicherlich etwas Mut abverlangt und zu Beginn tatsächlich etwas seltsam ist, ist die Lobseite. Am Ende meines Journals Klarheit, das Journal mit dem ich vor vier Jahren zu allererst gearbeitet habe, waren leere Seite für freie Notizen.

Eine dieser Doppelseiten habe ich als Lobseite umfunktioniert. Denn im Alltag besteht nicht nur das Problem, dass wir uns anerkennende Worte nicht immer sagen, sondern dass wir, wenn man uns lobt, dieses Lob auch nicht richtig hören. Wir tuen es als Selbstverständlichkeit: „Ja, das gehört doch zu meinem Job dazu.“ oder „Ach, das war doch nichts.“, höre auch ich mich heute noch sagen. Obwohl ich mich bemühe, das Lob mit einem erfreuten „Dankeschön“ einfach mal stehen zu lassen und es nicht zu schmälern.

Auf der Doppelseite habe ich dann eine Zeit lang einfach mal alle lobenden Rückmeldungen, die mir im Privaten und Beruflichen gegeben wurden gesammelt und schriftlich festgehalten. Und ehrlich gesagt macht es heute noch Spaß ab und an das Journal zur Hand zur nehmen und in diesen Lob-Seiten zu lesen. Ganz unbewusst sammelt das Gehirn übrigens dann noch weitere Situationen, die das Lob der anderen bekräftigen, und sorgt so nachhaltig für einen positiveren Blick auf sich und seine Lebensumstände.

Sei eine Quelle für Anerkennung und Wertschätzung

Um dich selbst zu stärken und deinen Blick künftig für Positives zu öffnen, ist es wichtig, dass du positive Referenzerlebnisse und -gedanken sammelst – ganz bewusst.

  • Schenke dir und anderen aufrichtige Anerkennung und Wertschätzung, wann immer sich der Moment dazu ergibt.
  • Nutze ein Mind n‘ Bullet Journal und entwickle eine tägliche, schriftliche Anerkennungs-Routine.
  • Nimm dir Zeit und sammle deine positiven wie negativen Charakterstärken. Schreibe sie dir auf und begegne allen Eigenschaften mit Wohlwollen und Anerkennung.
  • Der VIA-Charakterstärkentest kann dir helfen deine positiven Eigenschaften zu erkennen.
  • Oder du sammelst einfach mal eine Weile Lobe und anerkennende Worte, die andere dir im Alltag schenken und leider allzuoft einfach aus unserer Erinnerung verloren gehen, schriftlich.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Ausprobieren und gerne darfst du natürlich auch mir eine Rückmeldung da lassen, wenn der andere Tipp hilfreich für dich war.

Deine frau_sillepopille_

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