Mind n' Bullet Journal,  Persönliches Wachstum

Mit weniger mehr erreichen

Du kannst alles schaffen, aber nicht alles machen – und schon gar nicht gleichzeitig. In unserer schnelllebigen Welt gehen Klarheiten wie diese leider immer wieder verloren.

Auch mir fällt es nicht selten schwer diese Erkenntnis in meinem Leben umzusetzen, weil ich mich für vieles begeistern und entsprechend diszipliniert an meinen Vorhaben arbeiten kann. Doch immer wieder versuche ich mich zurückzuhalten und mir klar zu machen, dass ich nicht an allen Ideen gleichzeitig arbeiten kann. So kann Fokussierung auch als Zeichen einer gesunden Selbstliebe verstanden werden, indem man sich genügend Zeit und Raum gibt seine Ziele zu erreichen.

Dies wird mir in meiner Wochenrückschau in meinem Mind ’n Bullet Journal besonders deutlich, wenn ich reflektiere, was ich alles in der vergangenen Woche getan, erreicht und umgesetzt habe oder eben auch noch nicht.

Die 5/25-Regel

Die 5/25-Regel von Warren Buffet soll Abhilfe schaffen. Warren Buffet ist einer der erfolgreichsten US-amerikanischen Investoren und Unternehmer – ein kluger Mann – der seinen beruflichen und privaten Alltag nach klaren Prinzipien und damit sehr erfolgreich bestreitet. 

Die Unterstützung seiner Mitarbeiter spielt dabei ein große Rolle für Buffet. So sagte er einmal scherzend zu einem seiner treusten Gefolgsleuten: „Die Tatsache, dass du immer noch für mich arbeitest sagt mir, dass ich meinen Job nicht mache.“, und empfahl dem Mitarbeiter diese einfache Übung durchzuführen:

Liste dir für die 5/25-Regel zunächst 25 Dinge auf, die du in naher Zukunft erreichen möchtest. Priorisiere deine Liste anschließend so, dass du deine wichtigsten fünf Ziele herausstellst. Und nun kommt der wohl schwierigste Schritt: Streiche die 20 anderen Ziele.

Streiche sie aus der Liste heraus und stelle sie zurück, bis du deine Top fünf Ziele erreicht hast. Sie lenken dich zum aktuellen Zeitpunkt nur von deinen Hauptzielen ab und kosten dich Energie und Zeit. Deine Erfolgsaussichten werden sich verbessern, wenn dein Fokus auf ein einzelnes oder einzelne wenige Ziele hinwirkt.

Produktivitätskiller Multitasking

Für deine Zielarbeit gilt, was auch für dein tägliche Arbeiten gilt: Monotasking. So zeigen Studien, dass uns Multitasking schlicht kostet, anstatt einen Leistungsgewinn zu erbringen.

Durch einen ständigen Aufgabenwechsel beim Multitasking drohen bis zu 40% Produktivitätsverlust, weil unser Gehirn nach einer Ablenkung oder einem Aufgabenwechsel 15 Minuten Zeit braucht, um wieder voll konzentriert arbeiten zu können. Dieser Effekt ist auch als Sägezahneffekt bekannt und der Grund dafür, dass du dein Handy vor dem konzentrierten Arbeiten stets in den Flugmodus schalten solltest.

Beim Multitasking werden nämlich nicht etwa zwei Aufgaben parallel bearbeitet, sondern unser Gehirn springt in minimalen Abständen permanent zwischen beiden Tasks hin und her. Dies kostet uns Energie und ist eine sehr fehleranfällig Arbeitsstrategie – bleib also lieber beim Monotasking und nutze deine Zeit effektiv.

Das Fünf-Sekunden-Nein

Durch unsere Natur sind wir grundlegend auf Kooperation programmiert und suchen so die Anerkennung in einer Gruppe. Dabei nutzen wir die „Tit for Tat“ – Strategie. Wir sind im ersten Schritte kooperativ, tut es uns unser Gegenüber gleich, kooperieren wir beim nächsten Mal wieder mit ihm, wenn nicht – dann eben nicht.

Evolutionär betrachtet macht dieses Verhalten durchaus Sinn und ist auch bei Affen vorzufinden. Sie teilen ihr Fleisch, durchstöbern das Fell ihrer Artgenossen nach Insekten, da sie – wie wir – über ein Erinnerungsvermögen verfügen. Daher können sie sich daran erinnern, wenn ihnen ein Artgenosse einen Gefallen getan hat.

Die Krux daran ist jedoch, dass wir uns zum einen verpflichtet fühlen einen Gefallen zurückzugeben, wenn uns jemand etwas Gutes getan hat. Zum anderen geben wir nicht selten einen Vertrauensvorschuss, wenn wir der erste sind, der mit der „Tit for Tat“-Strategie beginnt. Schnell rutscht uns ein spontanes „Ja“ heraus, wenn wir eigentlich „Nein“ meinen. Wann ist dir dies zum letzten Mal passiert?

Anstatt unsere Zusage für einen Gefallen zu widerrufen, (er-)finden wir jedoch Gründe, die uns plausibel machen sollen, dass es durchaus sinnvoll ist diesen Gefallen zu tun und blenden die Zeit, die es uns tatsächlich kostet diesen Gefallen umzusetzen, aus. Nicht selten meldet sich auch unser innerer Kritiker, der uns davor warnen möchte die Missgunst oder Abwertung anderer auf uns zu ziehen, wenn wir ihre Erwartungen nicht erfüllen. Wir sabotieren uns also selbst.

„Wir bewerten Gründe höher als Zeit – ein Denkfehler, denn Gründe gibt es unendlich viele, und mit der Zeit verhält es sich genau umgekehrt.“

Rolf Dobelli

Wir schauen immer stark auf das Außen, so dass es für andere passt und wir etwas gut machen, aber dabei überschreiten wir selbst oft unsere eigenen Grenzen. Gerade in sozialen Berufen schauen wir auf das Wohl der uns Anvertrauten. Unsere Verausgabungsbereitschaft ist hoch, wobei der Grad der Anerkennung oft gering ist.

„Wir nehmen unsere soziale Verantwortung zumeist sehr ernst und vergessen nicht selten darüber unsere Verantwortung uns selbst gegenüber.“

frau_sillepopille_

Wirst du künftig um einen Gefallen gebeten, nimm dir fünf Sekunden Zeit, um bewusst über die Bitte nachzudenken und wage auch ein freundliches Nein auszusprechen – ganz ohne schlechtes Gewissen – als Commitment für deine Ziele und deine Zeit, wenn der Gefallen für dich nicht passt.

Das Gelübde

Ein Gelübde ist ein feierlich abgelegtes Versprechen, sich an eine Regel zu halten oder einen Vorsatz zu erfüllen. – Hast du dir selbst schon mal ein Gelübde abgegeben?

Vor längerer Zeit habe ich mit eine Freundin telefoniert, die auch Lehrerin ist. Sie und ihr Mann hatten sich ein Gelübde abgegeben. Sie wollten von nun an die Wochenenden arbeitsfrei gestalten. Wer gegen die Regel verstoße, müsse zehn Euro in eine Gemeinschaftskasse einzahlen. In mir wuchsen Bedenken und Widerstände, dass diese Regel für mich niemals funktionieren würde. Denn bei einer 48 Stunden-Woche bräuchte ich einfach auch Platz am Wochenende zum Arbeiten. Schließlich kämen meine Fahrtzeiten zur Schule hin und zurück ja auch noch dazu und so wäre ich viel zu inflexibel.

Da ich wusste, dass meine Freundin ganz ähnlich viel arbeitet, war ich am Zweifeln, ob sie die Regel umsetzten kann. Nach einiger Zeit fragt ich sie also, ob es den beiden gelang, sich an die gemeinsam festgesetzte Regel zu halten. Ihr Feedback war durchaus positiv – lediglich 20€ waren nach einem halben Jahr in der gemeinsamen Kasse.

Warum aber Inflexibilität als Strategie aufgeht: Wer von Situation zu Situation entscheidet, beansprucht jedes Mal wertvolle Willenskraft. Man wird entscheidungsmüde – Decision Fatigue ist der wissenschaftliche Begriff dafür.

Du kennst diesen Effekt sicherlich auch z.B. vom Willen sich gesünder zu ernähren. Morgens und tagsüber klappt die Umsetzung auch gut – unser Willen ist noch stark. Gegen Nachmittag werden die Verlockungen größer und am Abend hat man dann doch wieder ein Tütchen Süßigkeiten neben sich auf dem Sofa anstatt des Gemüses, dass man in guter Absicht extra beim Wocheneinkauf besorgt hat.

„Ein von vielen Entscheidungen müdes Hirn wird sich für die bequemste Variante entscheiden – und das ist nicht selten die schlechteste.“

Rolf Dobelli

Darum funktionieren Gelübde. Wenn meine Freundin sich fragte, ob sie unter der Woche noch bis acht Uhr arbeiten oder lieber um sechs Feierabend machen sollte, musste sie keine Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen. Denn die Entscheidung stand bereits fest. Damit das Wochenende arbeitsfrei sein kann, musste sie eben abends länger arbeiten. Die Entscheidung stand bereits und kostete sie keine Denkenergie.

Die wichtigste Person

Wer ist eigentlich die wichtigste Person in deinem Leben? Hast du sie gefunden? Ich schätze mal, dass du mit einer Wahrscheinlichkeit von circa 95% nicht deinen eigenen Namen im Kopf hattest. Richtig?

Es mag befremdlich oder egoistisch wirken, aber genau das wäre doch nur richtig. Denn zweifelsfrei, ohne die Person, die du gerade in deinem Kopf hattest, mag dein Leben an Qualität verlieren, du würdest in Trauer versetzt und ein großes Loch würde bleiben, würde sie gehen. Aber was würde bleiben in DEINEM Leben – ohne dich?

Was wäre dein Leben ohne DICH? Genau – unmöglICH.

frau_sillepopille_

Ich rede nicht davon, die Ellenbogen auszufahren und mit dem „ME-First“- Gedanken alle störenden Anderen aus dem Weg zu putzen. Nein, keineswegs, aber ein gesundes Maß an Selbstliebe, Selbstmitgefühl und Selbstzufriedenheit anstatt von Selbstzweifeln und Selbstoptimierungswahn, scheinen mir doch die Grundlage für ein glückliches und erfolgreich erfülltes Leben zu sein.

Merke – weniger ist mehr:

  • Verfolge nur fünf wichtige Ziele und die mit ganzem Herzen.
  • Bleib stressfrei und arbeite im Monotasking-Modus.
  • Ein „Nein“ zu anderen ist ein „Ja“ zu dir. Sage daher auch mal „Nein“ – freundlich und bestimmt.
  • Gelobe dir feierlich ein Versprechen und halte es ein.
  • Liebe dich selbst – bedingungslos und zweifelsfrei.
  • Sei stolz auf deine Ergebnisse und Leistungen – erwarte nicht immer Höchstleistungen von dir.
  • Zeige Mitgefühl – nicht nur mit anderen, sondern auch mit dir selbst.

Passend zum Fest der Liebe bekommst du in den nächsten Wochen auf meinem Instagram-Account mehr Input zum Thema Selbstliebe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.