Mind n' Bullet Journal,  Persönliches Wachstum

Selbstbestimmt leben dank innerem Mentor

Alles kann, nichts muss und schon gar nicht perfekt sein – erst recht nicht die erste Seite?!

Du sitzt vor deinem sorgfältig ausgesuchten und gerade frisch ausgepackten Notizbuch. Du freust dich. Zufrieden streifst du über das Cover und schlägst es auf. Da schlägt sie dir entgegen – die erste Seite. In strahlendem weiß und mit völliger Leere. „Wie soll ich die nur füllen? Und besonders schön soll sie auch noch werden. Ich sehe sie ja schließlich jedes Mal.“, geht es dir durch den Kopf.

Genau so fühle ich mich gerade, die erste Seite steht an – und zwar nicht nur in meinem BuJo sondern auch auf diesem Blog. Und da ist er wieder – der innere Kritiker. Die Blogseite ist soweit eingerichtet und nun kann es losgehen – eigentlich. Doch dann überkommen sie mich, die Zweifel: „Worüber soll ich überhaupt schreiben? Und wird der Beitrag auch gefallen?“ Wenn ich ein Thema in die engere Auswahl nehme, fallen mir plötzlich tausend Gründe ein, weshalb es meinen Lesern nicht gefallen könnte oder ich bekrittel, dass es zu wenig neue Informationen und damit kaum einen Mehrwert für meine Leser hätte.

Kennst du diese oder ähnliche Situationen vielleicht auch? Dann kann es sich lohnen zu lernen deinem inneren Kritiker auch mal zuzuhören und seine zumeist irrsinnigen Warnungen zu hinterfragen. Lies weiter und erfahre wie du selbstbestimmt agieren kannst, anstatt zur Marionette der eigenen Gefühlswelt zu werden.

Der innere Kritiker: Saboteur oder Mentor?

Du entscheidest! – Denn schon ein einfaches „Stop“ kann helfen, deine negativen Gedanken zu bremsen und einen Moment mal genauer in dich hineinzufühlen. Denn in der Psychologie wird das Selbst als führende Instanz eines „inneren Teams“ betrachtet, dessen Mitglieder sich manchmal uneins und nicht gleich laut sind. Nach Ursula M. Wagner gibt es in jedem inneren Team Saboteure und Mentoren. Für mich ist der innere Kritiker sowohl als auch. Verbreitet er zunächst Selbstzweifel und Gefühle der Angst, schlüpft er in die Rolle eines Saboteurs. Dennoch ist es gewinnbringend ihm auch einmal zuzuhören. Schließlich „kritisiert“ uns die innere Stimme nur, wenn sie etwas befürchtet und zum Beispiel Abwertung, Krankheit oder Einsamkeit drohen.

Der innere Kritiker – unser steter innerer Angsthase?

Manchmal sind die Warnungen unserer Kritikers völlig übertrieben. Welche Krankheit soll mich bitte beschleichen, wenn die erste Seite in meinem BuJo nicht das schönste Werk des ganzen Buchs wird? Wäre es nicht vielmehr traurig, wenn das schönste Werk bereits auf der ersten Seiten vollbracht wäre?

Als ich übrigens in meinen letzten beiden Notizbüchern geguckt habe, um mir die erste Seite anzuschauen, habe ich mit Überraschung folgendes festgestellt: Sie waren leer. Blanko, schneeweiß! Verrückt und es ist trotzdem keiner gestorben. Mir war es nicht einmal aufgefallen, als ich die Bücher zuvor in der Hand hatte.

Das heißt unser innerer Kritiker kann auch als überängstlicher innerer Angsthase verstanden werden. Ihn zu bekämpfen oder einfach zu ignorieren wäre sinnlos. Besser können wir uns einen Moment Zeit nehmen und in uns horchen, um zu erfahren wovor er uns eigentlich warnen möchte. Danach gilt es zu prüfen wie realistisch seine befürchteten Szenarien sind und die falschen Tatsachen aufzudecken.

Um deinen inneren Kritiker besser zu verstehen, solltest du folgende drei Aspekte in Erinnerung behalten:

  1. Er funktioniert wie ein hochsensibles Alarmsystem, dessen Programmierung von unserer Erziehung und unseren Denk- und Verhaltensmustern geprägt ist.
  2. Er neigt zu extremen und unrealistischen Interpretationen.
  3. Er stellt seine übermäßigen Ängste und unlogischen Schlussfolgerungen wie Tatsachen dar.

Die hohe Fertigkeit des Korrigierens

Es wäre natürlich traurig, wenn meine erste Seite von einem Werk geziert wäre mit dem ich selbst total unzufrieden wäre. Aber wie oft ist es bereits passiert, dass ich mit einer Arbeit derart unzufrieden war? Eigentlich noch nie, denn ich habe immer etwas gefunden, dass ich im Nachhinein noch ergänzen oder ändern konnte, sodass ich am Ende doch zufrieden war. Auch wenn ich schon mal zu etwas radikaleren Mitteln greifen musste und Seiten überklebt oder sogar rausgeschnitten habe.

Aber genau so funktioniert doch auch unser Leben. Durch kleinere und größere Kurskorrekturen kommen wir schließlich immer ans Ziel – oder etwa nicht? Nehmen wir zum Beispiel einen Langstreckenflug von Deutschland nach Kanada und ein Flugzeug mit neuster Technik an Board. Wie oft, glaubst du, ist die Maschine auf Kurs? 90 Prozent der Zeit? 80 Prozent der Zeit oder doch nur 70 Prozent? Tatsächlich befindet sich das Flugzeug den gesamten Flug über nie auf Kurs, nicht einen Moment lang. Stattdessen wird der Kurs unaufhörlich korrigiert. Dazu schwingen die Querruder an den Flügelkanten unentwegt auf und ab. Tausendmal pro Sekunde errechnet der Autopilot die Abweichung vom Ist- zum Soll-Zustand und schickt seine Korrekturbefehle an die Leitwerke.

Warum erwarten wir dann von uns, dass wir permanent auf Kurs sind und einen Erfolg nach dem anderen einfahren? Warum investieren wir viel Zeit und Energie, um ein vermeintlich perfektes Setup – oder eine perfekte erste Seite – zu erschaffen anstatt auf unsere Macht des Nachjustierens zu vertrauen?

Hole deine inneren Mentoren auf die Bühne

Eine gedanklich Unterbrechung der eigenen Zweifel bedarf etwas Übung und gelingt dir vielleicht zunächst auch erst im Nachhinein. Das macht aber nichts, ganz im Gegenteil. Da die Situation nun emotional weniger aufgeladen ist, fällt dir das Denken viel leichter und du kannst kreativer werden.

Die Angst, die unser innerer Kritiker verbreitet, lässt uns zunächst in eine Art kindlichen Tunnelblick verfallen, deshalb ist es wichtig Gegenspieler, Mentoren, auf die Bühne zu holen, die den Horizont wieder erweitern ohne die Angst zu ignorieren oder gar zu entwerten. Bringe also dein inneres Team zusammen und höre dir die Sicht aller Mitglieder an. Wer will kritisieren? Wer will warnen? Wer will unterstützen? Wer ist Mentor und wer Saboteur? In einer bunten Debatte kannst du nun herausarbeiten, welche Entscheidung und Handlung für dich in deiner Situation funktionieren kann.

Mir hilft es gerade die Stimmen der Saboteure in unrealistischen Übertreibungen ausarten zu lassen. So kommt Schwung ins Geschehen und unbegründete Sorgen lassen sich schnell entlarven. Zudem sorgt die Absurdität des erdachten Szenarios zumeist dafür, dass ich herzhaft lachen muss. Um meine eingangs beschriebenen Zweifel zum ersten Blogeintrag zu unterbrechen, habe ich mir zum Beispiel folgende Mentoren auf die Bühne geholt:

Die Motivation – oder auch mein Wozu?. Ich habe diesen Blog für mich, weil mir das Schreiben und Gestalten Spaß machen und ich meine Werke gerne teile.

Den Mut – Es ist okay, wenn ein Beitrag nicht den Gusto meiner Leser trifft. Denn was wäre die Konsequenz des Scheiterns? Mein Beitrag würde zwar weniger häufig gelesen werden, aber sonst wären die Konsequenzen doch recht überschaubar. Ich würde meinen Job, meine Freunde und auch meine Gesundheit behalten. Ganz davon abgesehen habe ich auch aktuell noch nicht viele Leser. Vielleicht käme noch ein kritischer Kommentar, der aber auch dabei helfen kann meine Leser besser kennenzulernen. Und im schlimmsten Notfall gäbe es ja auch immer noch die Blockierungsfunktion. Was würde das Scheitern über mich als Person aussagen? Nichts. Denn Scheitern gehört im Leben dazu und ändert nichts an dem Wert einer Person. Zudem kann es immer Anlass zu einer Kurskorrektur sein. Ich bin also gut, auch wenn ein Beitrag vielleicht mal nicht gut wird. Oder um es mit anderen Worten auszudrücken:

Du musst nich perfekt werden, um großartig zu sein.

@honigperlenmelanie

Die Hoffnung – Bisher war ich selbst häufig überrascht wie gut mir zum Beispiel eine Seite in meinem BuJo gelungen ist. Mit „gut“ meine ich hier, dass ich selber zufrieden war und das Ergebnis ungefähr so aussah wie in meiner Vorstellung. Meine Werke bewegen sich fernab der Perfektion. Denn Malen und Zeichnen gehören noch nicht lang zu meinen Hobbys. Zudem – so erinnere ich mich dann selbst – habe ich mit meinen ersten Beiträgen und Gedanken auf Instagram (und jetzt auch zum Upload dieses Blogs) schon einige positive Rückmeldungen aus meinem Freundeskreis bekommen. Vielen Dank dafür noch mal!

„Ich lese dein Beiträge gern. Da kommen immer so „good Vibes“ rüber.“

„Ich mag deinen authentischen Schreibstil und freu mich schon drauf mehr von dir zu lesen.“

Mein BuJo – auch ein innerer Mentor

Während des Schreibens an diesem Beitrag, hat sie sich dieses Mal schon fast von ganz alleine gestaltet: Die erste Seite in meinem BuJo. Das Thema habe ich einfach aufgegriffen. Und kannst du sie finden? Die vielen kleinen Stellen, an denen ich kaschiert und korrigiert habe, weil ich mich mit den Abständen verzählt habe, der Stift nicht so wollte wie ich wollte und die ersten Seiten in dem Buch nicht durchgängig punktiert, sondern mit einem kleinen Embleme versehen sind?

Just start.

Selbstbestimmt und gelassen bleiben – auch mit innerem Kritiker

Wenn sich also in Zukunft dein innerer Kritiker besonders laut zu Wort meldet, dann nimm ihn zunächst an so wie er ist und akzeptiere, dass er da ist. Schenke ihm Beachtung, denn auch wenn er häufig übertreibt, so hat er doch eine sinnvolle Funktion.

  1. Höre wovor dein innerer Kritiker dich warnen möchte und prüfe, ob seine Befürchtungen überhaupt realistisch sind.
  2. Überlasse deinem inneren Kritiker nie allein die Bühne und bringe dein inneres Team samt Mentoren und Saboteuren in einem bunten Gespräch zusammen, um eine bewusste Entscheidung zu treffen, anstatt dich von deinen Gefühlen begrenzen zu lassen.
  3. Stecke nicht deine Ressourcen in das perfekte Setup. Übe dich stattdessen in der Kunst des Korrigierens, indem du veränderst, was sich nicht bewährt.
  4. Sei nachsichtig mit dir selbst, wenn dir die Gelassenheit im Umgang mit deinem inneren Kritiker nicht sofort gelingt. Gerade am Anfang ist es schwer die inneren Mentoren wachsen zu lassen. Dabei kann es helfen, mit einem Freund über die Problematik und deine Ängste zu reden. Aber Achtung – Sei ihm nicht böse, wenn er deine Ängste belächelt. Denk daran, auch dein innerer Kritiker funktioniert hochsensibel und ist unrealistisch, indem er Tatsachen unlogisch verknüpft. Auch wenn du es nicht immer erkennst. Das kann beim Gegenüber schon mal für ein Amüsement sorgen.

4 Kommentare

  • Avatar
    Ann.Marie

    Juhu, der erste Beitrag ist da! Stirbt echt keiner, wenn die erste Seite unperfekt ist, da musste ich eben schmunzeln – kenn ich 😉 Das innere Team ist ein super Ansatz, um sich selbst auf die Schliche zu kommen. Ich finde deinen ersten Beitrag cool!

    • frau_sillepopille_
      frau_sillepopille_

      Liebe ANN.MARIE, danke dir für’s Lesen und es freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat und du auch gleich noch einen Kommentar da gelassen hast.
      Ja, der Ansatz des inneren Teams ist echt ein Gewinn in vielen Situationen. Richtig vertieft habe ich ihn beim Improvisationstheater Spielen. Denn im Spiel fällt es häufig leichter, zu spüren was einen umtreibt. Zudem hatte unsere Leiterin ein super Gespür dafür, wenn jemand auf der Bühne uneins mit seinem inneren Team war und hat dann sofort: „Stop!“ gerufen, um uns anzuhalten und in uns zu horchen, was gerade nicht passt, und mit diesem „aufgeklärten Gefühl“ ging es dann viel leichter weiter auf der Bühne.

      Deine frau_sillepopille

  • Avatar
    Verena

    Liebe Frau sille_popille,
    vielen Dank für die spannenden Gedanken rund um den inneren Kritiker, der sich ja – wie du schreibst und wie wir alle wissen- in verschiedenen Situationen zu Wort meldet.
    Ich denke, Eigen- und Fremdwahrnehmung liegen häufig so weit auseinander. Während wir noch mit uns selbst hadern, sind andere schon begeistert von dem, was wir tun.
    Mit dieser Feststellung im Hinterkopf gehen dann doch viele Dinge leichter von der Hand.

    Also, den kleinen Gremlin im Nacken wegschnipsen, der einem weismachen will, dass etwas noch nicht gut genug ist, und weiter an positiver Kritik bunt wachsen – so wie du es jeden Tag tust!

    Danke für den inspirierenden Beitrag!
    Verena Helsberg

    #neuegedankenwelten #ksdw #sillepopillefan

    • frau_sillepopille_
      frau_sillepopille_

      Liebe Verena,

      danke dir für deinen sehr reflektierten Beitrag und die Ergänzung zur Eigen- und Fremdwahrnehmung. Ja, man sagt ja nicht umsonst, dass man selbst sein strengster Kritiker sei. Da hast du recht und „andere [sind] schon begeistert von dem, was wir tun.“. Schöne Worte hast du gefunden, an denen man bunt wachsen kann ;). Vielen Dank dir dafür und natürlich mein neues Lieblingshashtag #sillepopillefan!! Dir auch frohes Schaffen bei deinen #neungedankgenwelten, ich warte schon gespannt :).

      Deine frau_sillepopille_

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